„Erlesenes – Gott im Spiegel der Dichter“ – Literarisch-Musikalische Abende

 

… (leben wie) Gott in Frankreich …

Die Redewendung stammt wahrscheinlich daher, dass in der Französischen Revolution Gott in Frankreich „abgeschafft“ wurde und er folglich dort nichts mehr zu tun hatte und den Müßiggang pflegte … Auf jeden Fall steht sie heute für eine besondere Art, das Leben zu genießen, wie es die Franzosen besonders verstehen. Spiegelt sich das in ihrer Literatur wieder? Und welche Rolle spielt Gott in ihr? Wir wollen ein paar Stich-/Kostproben vorstellen – begleitet von französischer Musik und französischem Wein!
 

Freitag, 26. Januar 2018, 19.30 Uhr,
Pfarrscheune Benz

André Gide, Heimkehr des verlorenen Sohns (1907)

Kann man zurückkehren in eine Welt, wo Gottes Wort noch gehört wird – wenn man einmal aufgebrochen ist, um etwas ganz anderes zu erleben? Andre Gide (1869-1951) kleidet in seiner Erzählung „Le retour de l´enfant prodigue“ diese Frage in eine Nachdichtung des berühmten Gleichnisses aus dem Lukasevangelium – mit überraschenden Pointen! Der aus großbürgerlich- protestantischem Hause stammende Franzose erweist sich darin als „der Protestant“ schlechthin, dessen ganzes Werk als ein Ringen mit Gott gelesen werden kann.
Wir hören den Text in der kongenialen Übersetzung durch Rainer Maria Rilke.
Dazu erklingt zeitgenössische Klaviermusik von Claude Debussy, vorgetragen von Martin Seimer.

 

Freitag, 16. März 2018, 19.30 Uhr
Villa Dorothea – Heringsdorf, Strandstr. 15

Albert Camus, Die Pest (1947)

In einer Stadt bricht die Pest aus. Jeder nimmt den Kampf gegen sie auf seine Weise auf: ein Arzt, der Nächstenliebe übt, ein Jesuitenpater, der sie als Strafe Gottes deutet, ein Rentner, der Selbstmord begeht, ein junger Mann, der zum Politiker wird, ein Rathausangestellter, der einen Roman schreiben will … Albert Camus (1913-1960) La Peste gilt als bedeutendster Roman der Résistance und der französischen Nachkriegsliteratur, und ist in Frankreich Pflichtlektüre an allen Schulen. Wir wollen uns fragen: welche Chancen räumt Camus` Humanismus der Frage nach Gott noch ein?
Als musikalische Umrahmung hören wir französische Chansons der 40er Jahre, von „La vie en rose“ bis „Les feuilles mortes“.

 

Freitag, 18. Mai 2018, 19.30 Uhr
Hans-Werner-Richter Haus Bansin

Yasmina Reza, Glücklich die Glücklichen (2013), Nirgendwo (1997)

Yasmina Resa (*1959), gebürtige Pariserin mit jüdisch-iranischen Wurzeln, gilt als meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin. Niemand schreibt so radikal – und so komisch – über den Selbstbetrug moderner Beziehungen in unserer Wohlstandsgesellschaft. Ganz beiläufig taucht dabei auch die Frage nach Gott auf: „Ich komme nie auf den Gedanken, mit Gott zu sprechen. Ich war immer der Ansicht, dass man Gott nicht stören darf. Er hat keine Zeit, sich mit Einzelfällen zu beschäftigen.“ – so lässt sie in Heureux les heureux eine Frau mutmaßen. Die hat dann auch wenig Verständnis dafür, wenn kurz darauf ihr Mann an einer verschlossenen Kirchentür panisch rüttelt … Was bedeutet, glücklich zu sein (als Übersetzung der Seligpreisungen!) – in einer Welt ohne Gott?
Umrahmt wird die Lesung durch französische Filmmusiken, vorgetragen von Bert Henry Albrecht.

 

Freitag, 15. Juni 2018, 19.30 Uhr,
Ev. Kirche Heringsdorf

Emmanuel Carrère, Das Reich Gottes (2016)

Welches Verhältnis unterhält das Abendland zu seiner eigenen Religion? Emmanuel Carrère (* 1957) vertieft sich in seinem phänomenalen Bestseller in die Anfänge des Christentums und fragt nach der Kraft, mit der es gelingt, an Dinge zu glauben, gegen die der Verstand rebelliert, – um am Ende eine revolutionäre Ethik zu vertreten. Mal ironisch, mal mit dringlichem Ernst führt er uns ein in die Welt von Lukas und Paulus, die in vielen Zügen unserer heutigen ähnelt. Ein Bibelroman und ein Psychogramm unserer modernen Welt in einem Buch.
Als Kontrapunkt erklingt alte Musik für Theorbe, vorgetragen von Daniel Kurz (Berlin).

 

Theater in der Kirche

Freitag, 1. Juni 2018, 19.00 Uhr,
Ev. Kirche Heringsdorf

Ulrich Hub, Nathans Kinder (2014)

Lessings „Nathan der Weise“ in einer Neufassung als Jugendtheaterstück: Kurt rettet Recha aus dem Feuer und beide verlieben sich. Aber ihre Liebe muss erst die Hürden der verfeindeten Religionen überwinden. Am Ende führt die junge Generation den Juden, den Christen und den Moslem an einem Frühstückstisch zusammen und Recha fragt: „Sind wir nicht zuerst alle Menschen?“. Das Ganze spielt in Jerusalem. Lessings Stoff ist aktueller denn je!
Schülerinnen und Schüler der Theater-AG der Europäischen Gesamtschule Insel Usedom in Ahlbeck haben das Theaterstück einstudiert.
Musikalisch untermalt wird es von Kompositionen und Improvisationen auf dem Kontrabass von Jaspar Libuda (Berlin).

Erlesenes

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